Anwendungen von Betain in der Tierernährung

Eine der bekanntesten Anwendungen von Betain in der Tierernährung ist die Senkung der Futterkosten durch den Ersatz von Cholinchlorid und Methionin als Methylgruppendonatoren in Geflügelfutter. Darüber hinaus kann Betain bei verschiedenen Tierarten für diverse Zwecke zusätzlich dosiert werden. In diesem Artikel erläutern wir die Details.

Betain dient als Osmoregulator und kann zur Reduzierung der negativen Auswirkungen von Hitzestress und Kokzidiose eingesetzt werden. Da Betain die Fett- und Proteinablagerung beeinflusst, kann es auch zur Verbesserung der Schlachtkörperqualität und zur Reduzierung von Fettlebern verwendet werden. Die drei vorangegangenen Online-Übersichtsartikel auf AllAboutFeed.net haben diese Themen ausführlich und mit detaillierten Informationen für verschiedene Tierarten (Legehennen, Sauen und Milchkühe) behandelt. In diesem Artikel fassen wir diese Anwendungsgebiete zusammen.

Methionin-Cholin-Ersatz

Methylgruppen sind für den Stoffwechsel aller Tiere von entscheidender Bedeutung; da Tiere sie nicht selbst synthetisieren können, müssen sie diese über die Nahrung aufnehmen. Die Methylgruppen werden in Methylierungsreaktionen zur Remethylierung von Methionin und zur Bildung nützlicher Verbindungen wie Carnitin, Kreatin und Phosphatidylcholin über den S-Adenosylmethionin-Weg verwendet. Zur Gewinnung von Methylgruppen kann Cholin in den Mitochondrien zu Betain oxidiert werden.Abbildung 1Der Cholinbedarf kann durch das in (pflanzlichen) Rohstoffen enthaltene Cholin sowie durch die Synthese von Phosphatidylcholin und Cholin gedeckt werden, sobald S-Adenosylmethionin verfügbar ist. Die Methioninregeneration erfolgt durch die Abgabe einer der drei Methylgruppen von Betain an Homocystein mittels des Enzyms Betain-Homocystein-Methyltransferase. Nach der Methylgruppenabgabe verbleibt ein Molekül Dimethylglycin (DMG), das zu Glycin oxidiert wird. Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Betain den Homocysteinspiegel senkt und gleichzeitig die Serin- und Cysteinspiegel im Plasma leicht erhöht. Diese Stimulation der Betain-abhängigen Homocystein-Remethylierung und die daraus resultierende Senkung des Plasma-Homocysteinspiegels bleiben so lange erhalten, wie Betain supplementiert wird. Tierstudien zeigen im Allgemeinen, dass Betain Cholinchlorid wirksamer ersetzen und einen Teil des gesamten Methionins in der Nahrung ersetzen kann. Dies führt zu einer kostengünstigeren Ernährung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit.

Wirtschaftliche Verluste durch Hitzestress

Erhöhter Energieaufwand zur Linderung von Hitzestress kann bei Nutztieren zu erheblichen Produktionseinbußen führen. So verursacht Hitzestress bei Milchkühen beispielsweise wirtschaftliche Verluste von über 400 € pro Kuh und Jahr aufgrund der reduzierten Milchleistung. Legehennen zeigen eine verminderte Leistung, und Sauen fressen unter Hitzestress weniger, bringen kleinere Würfe zur Welt und weisen ein verlängertes Intervall zwischen Absetzen und Brunst auf. Betain, ein dipolares Zwitterion und sehr gut wasserlöslich, kann als Osmoregulator wirken. Es erhöht die Wasserbindungskapazität von Darm und Muskelgewebe, indem es Wasser entgegen dem Konzentrationsgradienten bindet. Zudem verbessert es die Funktion der Ionenpumpe in den Darmzellen. Dadurch wird der Energieaufwand reduziert, der somit für die Leistung genutzt werden kann.Tabelle 1zeigt eine Zusammenfassung von Hitzestressstudien und die Vorteile von Betain.

Der allgemeine Trend bei der Anwendung von Betain während Hitzestress ist eine höhere Futteraufnahme, ein verbesserter Gesundheitszustand und damit eine bessere Leistung der Tiere.

Schlachtmerkmale

Betain ist ein Produkt, das bekanntermaßen die Schlachtkörperqualität verbessert. Als Methylgruppendonator reduziert es die Menge an Methionin/Cystein, die für die Desaminierung benötigt wird, und ermöglicht so eine höhere Proteinsynthese. Als starker Methylgruppendonator steigert Betain zudem die Carnitinsynthese. Carnitin ist am Transport von Fettsäuren in die Mitochondrien zur Oxidation beteiligt, wodurch der Fettgehalt in Leber und Schlachtkörper sinkt. Nicht zuletzt trägt Betain durch Osmoregulation zu einer guten Wasserretention im Schlachtkörper bei.Tabelle 3fasst eine große Anzahl von Studien zusammen, die sehr einheitliche Reaktionen auf Betain in der Ernährung zeigen.

Abschluss

Betain findet bei verschiedenen Tierarten unterschiedliche Anwendung. Durch die Zugabe von Betain zu modernen Futterrationen lassen sich nicht nur Futterkosten einsparen, sondern auch die Leistung steigern. Einige dieser Anwendungen sind noch wenig bekannt oder weit verbreitet. Dennoch tragen sie nachweislich zur Leistungssteigerung von (Hochleistungs-)Tieren mit moderner Genetik bei, die alltäglichen Belastungen wie Hitzestress, Fettleber und Kokzidiose ausgesetzt sind.

CAS07-43-7


Veröffentlichungsdatum: 27. Oktober 2021